„Möglichst viel Selbstbestimmung und Lebensqualität“
23.04.2010
Alexandra Schäfer ist Vorsitzende des Vereins Integrative Wohnformen e.V. und Vorstand der VdK-Baugenossenschaft Baden-Württemberg eG Stuttgart.
Was bedeutet „Integrative Wohnformen“? Und wer soll wie integriert werden?
Integration bedeutet das Wiederherstellen eines Ganzen. Für uns als Wohnungswirtschaft liegt dabei der Fokus auf dem Wohnen. Im Grunde gestalten wir neu, was vor 30 oder 40 Jahren üblicherweise durch die Familien und Gemeindeschwestern geleistet wurde.
Alle Menschen wünschen sich, selbstbestimmt und würdevoll alt zu werden. Je älter die Menschen werden, um so mehr zählen die zwischenmenschlichen Verbindungen, die über Jahre aufgebaut wurden und zum Sicherheits- und Wohlgefühl wesentlich beitragen. Deshalb wollen wir diesen Menschen ein Leben in gewohnter Umgebung ermöglichen.
Im Moment konzentrieren wir uns auf zwei Gruppen: auf Senioren mit Pflegebedarf und auf Menschen mit Behinderung. Ihnen ermöglichen wir mit Hilfe von Pflegedienst und ehrenamtlich tätigen Personen aktiv am Leben ihrer Umgebung teilzunehmen. Sie leben in der eigenen Wohnung und müssen sich nicht der Ordnung einer stationären Einrichtung unterwerfen. Im Alltag werden sie von einem Pflegedienst unterstützt, der kontinuierlich auf den Dienstleistungsgedanken geschult wird. Auf diese Weise bleibt das größtmögliche Maß an Selbstbestimmung und Lebensqualität erhalten.
Wie ist der Verein entstanden, was verbindet die Mitglieder?
Im Verein haben sich vor allem die Unternehmen zusammengefunden, die ihre Wohnbestände in räumlicher Nähe zueinander haben. Es gibt auch Genossenschaften in Stuttgart, die vor dem Start unserer Wohnprojekte bereits andere Angebote für ihre Mitglieder entwickelt hatten.
Wie entwickelt sich das Projekt?
Ich finde, wir haben schon eine ganze Menge erreicht! Zuerst war da nur die Idee. Inzwischen gibt es den Verein, er betreibt eine Geschäftsstelle, hat zwei engagierte Mitarbeiterinnen, die mit großer Kompetenz den Aufbau unserer Standorte voranbringen. Die ersten beiden Wohnprojekte entwickeln sich gut, weitere zwei werden 2010 starten und die Planungen für drei weitere laufen.
Wir spüren zugleich, dass wir noch mehr informieren müssen. Uns begegnet bei den Senioren leider häufig ein Art vorschnelle Resignation. Nach ihren Zukunftsperspektiven gefragt, wünschen sich die meisten, zu Hause wohnen zu bleiben. Und fügen dann hinzu: 'Aber wenn ich ernstlich krank werde, muss ich halt doch ins Heim'. Oft wissen diese Menschen zu wenig über die Alternativen, die es inzwischen gibt. Oder sie können sich einfach nicht vorstellen, dass man sie in einer baulich entsprechend gestalteten Wohnung genauso gut pflegen kann, wie dies in stationären Einrichtung geschieht. Das zeigt, dass mehr Öffentlichkeitsarbeit nötig ist – wir müssen mehr informieren!“
Auch die Zahl der Senioren mit Migrationshintergrund wächst. Wie werden sie in Ihr Projekt integriert?
Wir haben die Senioren mit Migrationshintergrund im Blick und möchten zukünftig unser Angebot auf ihre Bedürfnisse hin erweitern. Manche aus der ersten Einwanderergeneration wünschen sich Betreuung in ihrer Muttersprache. Aber vor allem kennen viele unsere Projekte noch gar nicht. Deshalb suchen wir aktuell an den schon aktiven Standorten intensiv nach Menschen, die z.B. Türkisch oder Italienisch oder Russisch sprechen und Lust haben, sich ehrenamtlich bei uns zu engagieren.
Integriert das Konzept auch Demenzkranke?
Menschen mit Demenz passen prinzipiell hervorragend in das Konzept. Der Kontakt mit aktiven Menschen über das Wohncafé und auch mit jüngeren Menschen, z. B. Menschen mit Behinderungen, tut Menschen mit diesem Krankheitsbild zweifellos gut. Kommt zur Demenz eine Weglauftendenz, sind sie in dieser Art Wohnprojekt für den Pflegedienst eine enorme Herausforderung. Deshalb prüfen die Fachleute in jedem Einzelfall, ob jemand in der eigenen Wohnung am besten aufgehoben ist.
Wie sind Sie mit der Stadt Stuttgart und ihren Angeboten vernetzt?
Wir führen als Verein regelmäßig Gespräche mit Vertretern der Stadt, wo wir uns gegenseitig über Projekte informieren. Und es gibt eine sehr intensive Zusammenarbeit auf der Stadtteil-Ebene, man kennt sich, ergänzt sich, tauscht sich aus. Es stellt sich heraus, dass wir bei der Planung für Senioren sehr kleinräumig denken müssen. Wer z.B. nur noch mit Gehhilfe aus dem Haus geht, bei dem schrumpft der Radius deutlich, auf oft nur noch 500 bis 1000 Meter rund um die Wohnung. Deshalb brauchen wir sehr viele Angebote! Die Stadt sieht die Arbeit des Vereins Integrative Wohnformen e.V. als eine Ergänzung ihres kommunalen Angebots. Übrigens eine, die sowohl für die Senioren als auch für die Sozialträger deutlich preisgünstiger ist als Betreutes Wohnen oder die Versorgung in einem Pflegeheim.
Alexandra Schäfer ist Vorsitzende des Vereins Integrative Wohnformen e.V. und Vorstand der VdK-Baugenossenschaft Baden-Württemberg eG Stuttgart.
Integration bedeutet das Wiederherstellen eines Ganzen. Für uns als Wohnungswirtschaft liegt dabei der Fokus auf dem Wohnen. Im Grunde gestalten wir neu, was vor 30 oder 40 Jahren üblicherweise durch die Familien und Gemeindeschwestern geleistet wurde.
Alle Menschen wünschen sich, selbstbestimmt und würdevoll alt zu werden. Je älter die Menschen werden, um so mehr zählen die zwischenmenschlichen Verbindungen, die über Jahre aufgebaut wurden und zum Sicherheits- und Wohlgefühl wesentlich beitragen. Deshalb wollen wir diesen Menschen ein Leben in gewohnter Umgebung ermöglichen.
Im Moment konzentrieren wir uns auf zwei Gruppen: auf Senioren mit Pflegebedarf und auf Menschen mit Behinderung. Ihnen ermöglichen wir mit Hilfe von Pflegedienst und ehrenamtlich tätigen Personen aktiv am Leben ihrer Umgebung teilzunehmen. Sie leben in der eigenen Wohnung und müssen sich nicht der Ordnung einer stationären Einrichtung unterwerfen. Im Alltag werden sie von einem Pflegedienst unterstützt, der kontinuierlich auf den Dienstleistungsgedanken geschult wird. Auf diese Weise bleibt das größtmögliche Maß an Selbstbestimmung und Lebensqualität erhalten.
Wie ist der Verein entstanden, was verbindet die Mitglieder?
Im Verein haben sich vor allem die Unternehmen zusammengefunden, die ihre Wohnbestände in räumlicher Nähe zueinander haben. Es gibt auch Genossenschaften in Stuttgart, die vor dem Start unserer Wohnprojekte bereits andere Angebote für ihre Mitglieder entwickelt hatten.
Wie entwickelt sich das Projekt?
Ich finde, wir haben schon eine ganze Menge erreicht! Zuerst war da nur die Idee. Inzwischen gibt es den Verein, er betreibt eine Geschäftsstelle, hat zwei engagierte Mitarbeiterinnen, die mit großer Kompetenz den Aufbau unserer Standorte voranbringen. Die ersten beiden Wohnprojekte entwickeln sich gut, weitere zwei werden 2010 starten und die Planungen für drei weitere laufen.
Wir spüren zugleich, dass wir noch mehr informieren müssen. Uns begegnet bei den Senioren leider häufig ein Art vorschnelle Resignation. Nach ihren Zukunftsperspektiven gefragt, wünschen sich die meisten, zu Hause wohnen zu bleiben. Und fügen dann hinzu: 'Aber wenn ich ernstlich krank werde, muss ich halt doch ins Heim'. Oft wissen diese Menschen zu wenig über die Alternativen, die es inzwischen gibt. Oder sie können sich einfach nicht vorstellen, dass man sie in einer baulich entsprechend gestalteten Wohnung genauso gut pflegen kann, wie dies in stationären Einrichtung geschieht. Das zeigt, dass mehr Öffentlichkeitsarbeit nötig ist – wir müssen mehr informieren!“
Auch die Zahl der Senioren mit Migrationshintergrund wächst. Wie werden sie in Ihr Projekt integriert?
Wir haben die Senioren mit Migrationshintergrund im Blick und möchten zukünftig unser Angebot auf ihre Bedürfnisse hin erweitern. Manche aus der ersten Einwanderergeneration wünschen sich Betreuung in ihrer Muttersprache. Aber vor allem kennen viele unsere Projekte noch gar nicht. Deshalb suchen wir aktuell an den schon aktiven Standorten intensiv nach Menschen, die z.B. Türkisch oder Italienisch oder Russisch sprechen und Lust haben, sich ehrenamtlich bei uns zu engagieren.
Integriert das Konzept auch Demenzkranke?
Menschen mit Demenz passen prinzipiell hervorragend in das Konzept. Der Kontakt mit aktiven Menschen über das Wohncafé und auch mit jüngeren Menschen, z. B. Menschen mit Behinderungen, tut Menschen mit diesem Krankheitsbild zweifellos gut. Kommt zur Demenz eine Weglauftendenz, sind sie in dieser Art Wohnprojekt für den Pflegedienst eine enorme Herausforderung. Deshalb prüfen die Fachleute in jedem Einzelfall, ob jemand in der eigenen Wohnung am besten aufgehoben ist.
Wie sind Sie mit der Stadt Stuttgart und ihren Angeboten vernetzt?
Wir führen als Verein regelmäßig Gespräche mit Vertretern der Stadt, wo wir uns gegenseitig über Projekte informieren. Und es gibt eine sehr intensive Zusammenarbeit auf der Stadtteil-Ebene, man kennt sich, ergänzt sich, tauscht sich aus. Es stellt sich heraus, dass wir bei der Planung für Senioren sehr kleinräumig denken müssen. Wer z.B. nur noch mit Gehhilfe aus dem Haus geht, bei dem schrumpft der Radius deutlich, auf oft nur noch 500 bis 1000 Meter rund um die Wohnung. Deshalb brauchen wir sehr viele Angebote! Die Stadt sieht die Arbeit des Vereins Integrative Wohnformen e.V. als eine Ergänzung ihres kommunalen Angebots. Übrigens eine, die sowohl für die Senioren als auch für die Sozialträger deutlich preisgünstiger ist als Betreutes Wohnen oder die Versorgung in einem Pflegeheim.